Ein Krieg kann einen anderen verschweigen

 

Ein Krieg kann einen anderen verschweigen

von Thierry Meyssan

Voltaire Netzwerk | Damaskus (Syrien) | 21. Januar 2013

 

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Seit Nicolas Sarkozy mit Laurent Gbagbo, Muammar el-Gaddafi und Bashar al-Assad, den Kuss des Judas übte, ist es Praxis Französischer Diplomatie. Präsident François Hollande kam nach Algier, um seinen Amtskollegen Abdelaziz Bouteflika, am 19. Dezember 2012 zu umarmen. Drei Wochen später, zündete er den Mali Krieg, das Feuer für Algerien.
    © Amt des Präsidenten

 

"Der Appetit kommt mit dem Essen" heißt das Sprichwort. Nach der Wiederkolonisierung der Elfenbeinküste und von Libyen, nach dem Versuch, sich Syriens zu bemächtigen, liebäugelt Frankreich wieder mit Mali, um Algerien im Rücken zu fassen.

Während des Libyen Angriffs machten die Franzosen und Briten umfangreiche Verwendung von Islamisten gegen die Macht von Tripolis, da die Separatisten von Kyrenaika, Bengasi einmal unabhängig, nicht mehr daran interessiert waren, Muammar el-Gaddafi zu stürzen.

Beim Sturz der Dschamahirija, hatte ich persönlich den Empfang der AQIM Führer durch die Mitglieder des Nationalrates des Übergangs im Corinthia Hotel erlebt, welches durch eine britische, ausdrücklich vom Irak herangeholte Spezial-Gruppe gesichert wurde. Es war klar, dass das nächste Ziel des westlichen Kolonialismus Algerien wäre und dass AQIM eine Rolle spielen würde, aber ich konnte nicht sehen, welcher Konflikt verwendet werden konnte, um eine internationale Einmischung zu rechtfertigen.

Paris hat ein Szenario ausgearbeitet, in dem der Krieg über Mali in Algerien eindringt.

Kurz vor der Eroberung von Tripolis durch die NATO gelang es den Franzosen, Tuareg-Gruppen zu bestechen und sie umzukrempeln. Sie hatten Zeit sie ausgiebig zu finanzieren und zu bewaffnen, aber es war schon zu spät für sie vor Ort eine Rolle zu spielen. Nach Beendigung des Krieges kehrten sie in die Wüste zurück.

Die Tuareg sind ein Nomadenvolk, das in der zentralen Sahara und an den Grenzen der Sahelzone lebt, ein großer Raum, der sich über Libyen und Algerien, Mali und Niger verteilt. Wenn sie auch Schutz der ersten beiden Staaten erhielten, wurden sie stattdessen von den letzten beiden vernachlässigt. Infolgedessen haben sie seit den 1960er Jahren die Souveränität von Mali und Niger auf ihr Land bestritten.

Gut logisch beschlossen die von Frankreich bewaffneten Gruppen, ihre Waffen zu benützen, um ihre Ansprüche in Mali geltend zu machen. Die nationale Bewegung für die Befreiung der Azawad (MNLA) übernimmt die Macht in fast allen Teilen des nördlichen Mali, wo sie lebt. Eine kleine Gruppe von Tuareg-Islamisten, Ansar Dine, allerdings mit AQIM verbunden, benützt die Möglichkeit, die Scharia in einigen Orten zu verhängen.

Am 21. März 2012 wird ein seltsamer Staatsstreich in Mali verübt. Ein geheimnisvolles "Komitee für die Wiederherstellung der Demokratie und die Wiederherstellung des Staates" (CNRDRE) stürzt den Präsidenten Amadou Toumani Touré und sagt, die Wiederherstellung der malischen Autorität im Norden des Landes zu wollen. Das Ergebnis ist viel Verwirrung, da die Putschisten nicht erklären können, wie ihre Tat die Situation verbessern wird.

Der Sturz des Präsidenten ist umso eigenartiger, weil eine Präsidentschaftswahl fünf Wochen später geplant war, und dass der scheidende Präsident nicht Kandidat war. Das CNRDRE besteht aus Offizieren, die in den Vereinigten Staaten ausgebildet wurden. Das Komitee CNRDRE verhindert den Betrieb der Wahl und überträgt die Macht einem der Kandidaten, in diesem Fall dem frankophilen Dioncounda Traore. Dieser Taschenspielertrick wird von der ECOWAS legalisiert, dessen Präsident niemand anderer als Alassane Ouattara ist, der vor einem Jahr in der Elfenbeinküste von der französischen Armee auf den Thron gehisst wurde.

Der Staatsstreich betont die ethnische Teilung des Landes. Die malischen Eliteeinheiten der Armee (in den USA gegründet) mit einem tuareg‘schen Befehlskommando schloss sich der Rebellion mit Waffen und Gepäck an.

Am 10. Januar griff Ansar Dine – unterstützt durch andere Islamisten Gruppen – die Stadt Konna an. Daher verließ sie das Gebiet der Tuareg, um das islamische Recht auf den Süden von Mali zu erweitern. Der Übergangs-Präsident Dioncounda Traore verhängt den Ausnahmezustand und ruft Frankreich zu Hilfe. Paris engagiert sich in den darauf folgenden Stunden, um die Einnahme der Hauptstadt Bamako zu verhindern. Mit Vorausplanung hatte der Elysee in Mali Männer des 1. Fallschirmjäger Regiment der Marine Infanterie ("die koloniale") und des 13. Fallschirm Dragonerregiments, Hubschrauber vom COS, drei Mirage 2000D, zwei Mirage F – 1, drei C135, eine Hercules C130 und einen Transall C160 vorpositioniert.

In der Tat, es ist sehr unwahrscheinlich, dass Ansar Dine eine reale Bedrohung dargestellt hätte, da die eigentliche Kampftruppe, nicht die Islamisten sind, sondern die Tuareg-Nationalisten, die keine Ambitionen im Süden von Mali haben.

Um seine militärische Intervention voranzutreiben, fordert Frankreich Hilfe von vielen Staaten, darunter Algerien. Algier ist in der Falle: mit der ehemaligen Kolonialmacht zusammenarbeiten oder die Gefahr eines Rückflusses der Islamisten auf seinen Boden laufen. Nach Zögern stimmte es zu, seinen Luftraum dem französischen Durchflug zu öffnen. Aber letztendlich greift eine nicht identifizierte islamische Gruppe einen British Petroleum Gas-Standort im südlichen Algerien an, und wirft Algier Komplizenschaft mit Paris in dem malischen Fall vor. Hundert Menschen wurden Geiseln, aber nicht nur Algerier und Franzosen. Das Ziel ist klar, den Konflikt durch Erweiterung auf Algerien zu internationalisieren.

Die Technik der französischen Einmischung ist eine Kopie von der Bush-Administration: islamistische Gruppen verwenden, um Konflikte zu kreieren und dann an Ort und Stelle eingreifen, unter dem Vorwand die Konflikte zu lösen. Deshalb wiederholt die Rhetorik von François Hollande den "Krieg gegen den Terrorismus", obwohl er von Washington fallen gelassen wurde. Man findet in diesem Spiel die üblichen Protagonisten: das Katar nahm Aktien in großen französischen Unternehmen in Mali und der Emir von Ansar Dine steht Saudi-Arabien nahe.

Der Brandstifter-Feuerwehrmann ist auch ein Zauberlehrling. Frankreich hat beschlossen, seine Anti-Terror-Maßnahmen, den Vigipirate-Plan zu stärken. Paris fürchtet keine Aktion der malischen Islamisten auf französischem Boden, aber den Rückfluss von Dschihadisten aus Syrien. In der Tat hat die DCRI während zwei Jahren die Rekrutierung von jungen französischen Muslimen gefördert, um mit der FSA gegen den syrischen Staat zu kämpfen. Aufgrund der Auflösung der FSA kommen derzeit die Dschihadisten in die Heimat zurück, wo sie aus Solidarität mit Ansar Dine Lust haben könnten, diese in Syrien gelernten terroristischen Techniken anzuwenden.

Thierry Meyssan

Übersetzung
Horst Frohlich

Quelle
Al-Watan (Syrien)

________________________________

Quelle des Beitrages: http://www.voltairenet.org/article177192.html

11 Kommentare

  • Hallo Stefan,🙂

    danke, für das Aufdecken der Hintergründe.
    Deutschland muss natürlich auch mitmischen.Den Soldaten wird dann
    so nebenbei unterstellt, sie wären wenig abenteuerlustig.
    Immerzu das gleiche hinterhältige Vorgehen.

    LG Christa

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  • hm … in dieser Geschichte wurde so manches verdreht. Seit wann sind z,B, die Tuareg nun „Islamisten“. ? Wobei ich das Wort „Islamist“ hasse, da es immer negativ, und in Bezug mit Krieg und Kampf verwendet wird. Wobei aber der wahre Islam absolut friedlich ist, wie schon der Name sagt: Islam = s-l-m = Friede.

    Natürlich weiß ich das gerade in sogenannten „islamischen“ Ländern die in Moment meisten Kriege sind, was aber meist durch den Westen „angestachelt“ wurde (in Zusammenarbeit mit Saudia/Qatar).

    Aber, ich will ganz klar festhalten, das es nicht der Islam ist, der zu Krieg aufruft. Der Islam ist und bleibt eine absolut friedliche Religion. Nur, leider, verstehen viele Muslime ihre Religion falsch und bekommen von den Imamen falsche Informationen.
    z.B. die „Selbstmordkommandos“ sind absolut haram/verboten. Nur Allah alleine kann bestimmen, wer wann und wie geboren oder sterben wird.

    Und, ein Vers des QUr’an besagt: „wer einen Menschen tötet, hat soviel getan als hätte er die gesamte Menschheit gettet. und wer einen Menschen rettet, hat soviel getan, als hätte er die gesamte Menschheit gerettet.“

    ISLAM = FRIEDE = PEACE

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  • Hallo Geburtstagskind😀
    Alles Gute alles Liebe alles Schöne alles was dein Herz begehrt wünsche ich Dir zu deinem Geburtstag.Bleib Gesund und finden sollst du was du suchst, bleib uns erhalten mit deiner Weisheit und deinem Humor(ich liebe diese lustigen Bilder die du immer so mühevoll mit einbaust),hab einen schönen Tag und lass dich von deinen lieben verwöhnen.

    Sei umarmt,lg

    Setzte es hier nochmal rein,nicht das du es nicht findest

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  • Hallo an alle
    ZDF Neues aus der Anstalt – Pelzig bashed EU für den Wasserwahn

    Bitte Petition mitzeichnen, Wasser ist grundrecht und darf nicht privatisiert werden.
    Hier ein der Link zur Petition, wir brauchen 1 Million unterschriften, bitte mitzeichnen!

    https://signature.right2water.eu/oct-web-public/index.do?oct_path=%2Fsignup.do&initiativeLang=de&oct_system_state=OPERATIONAL&oct_collector_state=true&currentLanguage=de

    lg und schönen Tag

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    • Hello Peacemaker,

      Dank Dir, für die Arbeitsteilung…….“g`nau dä`s, wollt i a freili`hie o oanstelle`“…….als ich´s gesehen hatte…..“dös host a scho fei g`macht!!!“….😀

      Da war ich schon so froh, dass Berlin seit Ende letzten Jahres, wieder über 75% an der Wasserversorgung für Millionen zurück gekauft hat….und da geht das desaster, gleich wieder von vorne los……

      …..also unbedingt unterschreiben, liebe Leute…..“Wasser IST Leben“…..es geht hier um unser aller Leben, das sie kontrollieren bzw. regulieren wollen……und Brüssel endlich einmauern………und nur noch die Vernümftigen ausreisen lassen…..da hat`s dann ein Jeder selbst in der Hand, welcher neuen Gesellschaftsordnung er den vorrang geben möchte und Niemand ist benachteiligt……

      lg Joe

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  • Hallo lieber Stefan,

    Alles, alles Gute zum Geburtstag auch von mir und die besten Wünsche für Dich…..ich hoffe Du hattest und hast noch immer einen schönen Tag mit Deinen Lieben und Freunden, in angenehmer zwangloser Geselligkeit und genießt diesen Tag.

    Ich weiß ja, dass Du auch ähnlich über Geburtstage denkst, aber ein kleines Ständ´chen, sei mir doch trotzdem bitte erlaubt…😀

    Dies ist zwar eigentlich mehr, vom Vater für den Sohn geschrieben, passt aber zu 90% trotzdem😀

    und abschließend, noch einen kleinen Rat von Karl Valentin, wie man ganz locker ein hohes Alter erreicht😀

    Ich wünsche Dir, dass Dir Deine so offene und tolerante und ganz tief aus dem Herzen gelebte Seinsart, alle Zeit erhalten bleibe und Dir niemals die Inspirationen ausgehen und natürlich auch viel Erfolg, was Dein Buchprojekt angeht.

    Meinen tiefen Dank an Dich und Lob und Segen, für Deine unschätzbare Arbeit, die Du hier tagtäglich leistest und für die Schaffung, dieser kleinen Oase hier, ohne die wir gleich gesinnten Seelen, uns wohl so nie begegnet wären…..all` dafür, meinen herzlichen und freudigen Dank….einfach schön dass es Dich gibt!!!!

    Ich drück` Dich ganz fest mein lieber Freund und bleib uns bitte noch lange, lange erhalten…….es grüßt aus Berlin der johannes

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    • Hallo, Freund Johannes

      Ich drücke zurück ..😉
      Du kannst mir glauben, selber macht es mir ebensoviel Freude,
      wie allen anderen ..

      lg,
      PS.: Hab dir eine kurze Mail geschrieben, wegen den Cd s
      Danke nochmal..

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      • Hey Stefan,

        Ja ich habe gesehen (hatte jetzt zwei-drei Tage nicht nachgeschaut) und hab` auch schon geantwortet……schön dass es doch noch geklappt hat……..

        ……das nächste Mal, komme ich gleich per Rad oder zu Fuß vorbei…..29 km am Tag…..Mensch dass bin ich früher ohne Probleme am Tag gewandert…😀😀😀

        Einen superschönen Abend Dir noch……Gruß Joe

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        • Danke Johannes,
          Hab sie grad gelesen –

          das nächste Mal, komme ich gleich per Rad oder zu Fuß vorbei…..29 km am Tag

          Ja, das ist echt allerhand, aber wie du schön festgestellt hast:
          Super passend😉

          lg,

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  • „Erinnern sie sich an den 4. April 2012 – als ich ihnen die Geschichte von den Tuareg und Gaddafi erzählt habe (Update Libyen – Mali, 19:56 Uhr) – oder an den 5. April (Kurzes Mali-Update, 12:56 Uhr)?

    Also an die Story vom Verrat der Tuareg, die Anfangs Seit an Seit mit der libyschen Bevölkerung für die Unabhängikeit und Freiheit Libyens kämpften und dann mit dem französischen Versprechen „einen eigenen Staat im Norden Malis“ gründen zu dürfen, zum Abzug aus Libyen bewegt wurden?“
    http://www.my-metropolis.eu/2013/Nachrichten/Politik/Afrikas-Rekolonialisierung-Naechste-Ausfahrt-Algerien-I.php

    Stichwort Libyen – von anderen lernen..

    „Zum Hintergrund der heutigen Erklärung der demokratischen Volksrepublik Korea sollte man wissen, dass vor fast zehn Jahren führende Senatoren der USA der Staatsführung der DPRK mitgeteilt haben, sie möge sich genau anschauen, welche großen Vorteile Libyen und der libysche Staatsführer Muammar Gaddafi genießen, seit Libyen seine Programme zur Entwicklung von nuklearen und anderen potenten Abschreckungswaffen gegen Nichtangriffsgarantien der USA und der NATO eingetauscht habe. Die Senatoren haben der DPRK nahegelegt, aus der blühenden Entwicklung Libyens ihre Schlüsse zu ziehen, zu lernen und es Libyen gleichzutun.“
    http://nocheinparteibuch.wordpress.com/2013/01/23/demokratische-volksrepublik-korea-gibt-us-gefuhrten-imperialisten-eine-gepfefferte-antwort/

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