Sarin-Gas ist so flüchtig wie Washingtons Versprechen

Übersetzt ins Deutsche von Steven Black:

“Vor unser aller Augen"
Sarin-Gas ist so flüchtig wie Washingtons Versprechen

von Thierry Meyssan

Benutzte oder benutzte Syrien nicht Sarin Gas, gegen seinen bewaffneten Widerstand? Diese Frage fand eine positive Antwort in Paris, London und Washington, nachdem sie diverse Zeitungsspalten geplagt hatte. Die rote Linie ist nun anscheinend überquert worden. Krieg ist deshalb vielleicht nahe bevorstehend. In Wirklichkeit kommt dieses Medien Spiel zu spät. In Hinsicht auf internationales Gesetz ist Syrien kein Unterzeichner der Chemiewaffen Übereinkommen und können es daher frei verwenden. Darüber hinaus ist es vollkommen zwecklos den erfundenen “Massenvernichtungswaffen Trick” anzuwenden, wenn man bedenkt, dass der Krieg sich bereits seinem Ende nähert.

Die Frage bezüglich der Verwendung des Sarin Gases durch die syrischen regulären Truppen wirkt wie das Spiel eines Narren. Als man sich beim Sprecher des syrischen Außenministeriums,  am 23. Juli 2012 danach erkundigt hat, antwortete Jihad Makdisi, daß sein Land diese besitzen dürfe und nur gegen äußere Feinde verwendet werden würden. Diese Aussage wurde von den Medien in NATO und GCC Staaten als eine Drohung gegen die "Rebellen" interpretiert, in Damaskus werden diese mit den "Contras" in Nicaragua gleichgesetzt, die meistens von Ausländern gebildet wurden. Es war in der Tat, und ohne den Schatten eines Zweifels, nur die Ausrichtung der NATO-Staaten und Israel. Der Sprecher war eindeutig über die Tatsache, dass überhaupt keine solche Waffen  gegen die Syrischen "Aufständischen” verwendet werden würden.

Trotzdem war die Aussage von Jihad Makdisi, ein Glückstreffer für eine Organisation wie die NATO, die auch 2003 keinerlei Skrupel über die Erfindung der Existenz der "Massenvernichtungswaffen" in Irak zeigte. Zweimal, am 20. August und am 3. Dezember 2012, warnte Präsident Barack Obama Syrien vor der Verwendung chemischer Waffen. Wenn ‚wir anfangen, ein ganzes Bündel von Waffen zu sehen, die sich ringsherum bewegen oder benutzt werden… Das würde meine Rechnung, meine Gleichung verändern," sagte er bei Firt. Er fügte später hinzu, “Ich will es Assad und denjenigen unter seinem Befehl völlig klarmachen, daß die Welt zusieht… Der Gebrauch von chemischen Mitteln ist und würde völlig unannehmbar sein… Wenn Sie den tragischen Fehler machen, diese Waffen zu verwenden, wird es Folgen geben.”

Die liberalen Falken und Neokonservativen setzten sich dann für eine militärische Intervention des Westens ein. Ihnen zufolge erfuhr Syrien einen brutal von einem "Diktator unterdrückten "Arabischen Frühling". Infolgedessen hatte die internationale Gemeinde eine Pflicht, in Verteidigung hoher Ideale einzugreifen. Offensichtlich gab es über die Jahre keinen Hinweis über die Vorbereitung und Finanzierung des "arabischen Frühlings" von NATO und dem GCC, sich Syriens Kohlenwasserstoffe anzueignen und ihm ein islamisches Zionistisches Regime aufzuerlegen. So verglich Professorin Anne-Marie Slaughter, ehemalige Direktorin der politischen Planung unter Hillary Clinton (2009-2011), Obama’s Laissez-faire in Syrien, zum Ruandischen Fall, in einer Spalte der Washington Post [1].

2003 kam der Beweis der "Massenvernichtungswaffen" im Irak von einem Überraschungszeugen. Während der Leiter der Inspektionsmission der Vereinigten Nationen, Hans Blix, vor dem Sicherheitsrat bestätigte, dass solche Waffen seit 1991 nicht im Irak existiert hatten, trat ein verbannter Wissenschaftler, Hussain al-Shahristani vor, um ein Zeugnis bereitzustellen daß die Einschätzung von Außenminister Colin Powell‘ bestätigte, daß Saddam Hussein im Besitz von Chemischer, bakteriologischer und Kern Waffen war. Seine Ansichten wurden vom Internationalen Institut für Strategic Studies (IISS) in London bestätigt. Keine seiner Behauptungen wurde den Tatsachen gegenübergestellt. Sobald der Irak angegriffen, geplündert und zerstört wurde, gestand Washington im Irrtum gewesen zu sein, während der falsche Zeuge Vizepremierminister des “befreiten” Iraks genannt wurde und der IISS seine Schlussworte fortsetzte.

Seiner Zeit wurde die Arbeit der Medienvergiftung durch Frankreich und das Vereinigte Königreich fabriziert. Die zwei Kolonialmächte, die den Nahen Osten 1916 geteilt hatten, haben auf einen Westlichen Militäreingriff, trotz drei russischer und chinesischer Vetos gedrängt. Am 27. Mai, am Vorabend einer entscheidenden Sitzung von EU-Ministern bei der möglichen Lieferung der Armee an die "Rebellen, veröffentlichte der Französische Le Monde täglich einen Bericht durch Jean-Philippe Rémy, den Gebrauch von Sarin Gas in Damaskus beglaubigend. Der Reporter brachte Proben von Blut und Urin zurück, die von einem französischen militärischen Laboratorium geprüft werden sollten. Der Französische Außenminister Laurent Fabius vergeudete keine Zeit mit Reagieren, während die britische Regierung gegen “ein Kriegsverbrechen” aufschrie.  Schließlich, gemäß dem Weißen Haus: “Unsere Nachrichtendienstgemeinschaft analysierte, daß das Assad Regime chemische Mittel hat, einschließlich das es Nervenagens Sarin auf einem kleinen Maßstab gegen die Opposition, mehrmals im letzten Jahr verwendete.”

Das Problem ist, dass es kein Problem gibt: zuerst wurde die Verwendung des Sarin-Gases von der 2007 er Konvention über chemische Waffen verboten, die weder von Israel noch Syrien ratifiziert worden sind [2]. De facto, können diese zwei Staaten herstellen, besitzen und solche Waffen legal benutzen, ohne "Kriegsverbrechen zu begehen. Zweitens ist die Verwendung des Sarin-Gases durch die reguläre Macht vielleicht von Paris , London und Washington bestätigt worden, aber es bleibt trotzdem äußerst zweifelhaft.

Der von Le Monde berichtete Fall ist nicht weniger zweifelhafter: die syrische arabische Armee benutzte solche Waffen angeblich in Damaskus, im Gebiet von Jobar, ohne das treibende Gas und erreichte die zivile Bevölkerung im Rest der Hauptstadt. Die davon betroffenen Kämpfer litten nicht an Anfällen, was auf eine sehr geringe Verbreitung hinweist. Berichten zufolge behandelten sie sich mit Atropin, aber auch mit  lokalen Anwendungen, einschließlich Augentropfen, die nutzlos sind für ein Gas, daß durch die Haut eindringt. Kurz gesagt, werden die Franco-Anglo-amerikanischen Beweise wahrscheinlich nicht mehr den  Tatsachen widerstehen, als diejenigen, die von George W . Bush und Tony Blair gegen den Irak aufgehäuft wurden.

Übermittelt durch Washington nach Moskau, wurde das vorgelegte Beweismaterial durch den Westen von Yuri Uschakow, dem außenpolitischen Berater des Kreml verhöhnt. Er konnte nicht umhin, an das angebliche Fläschchen Anthrax zu denken, mit dem Colin Powell im Jahr 2003 vor dem Sicherheitsrat herumschwenkte.

Wo die Verwendung des Sarin-Gases mit Abscheu und dem Verlangen einer internationalen Antwort erwogen werden sollte, wundert man sich, warum warum die Vorwürfe von Carla del Ponte, einem Mitglied der Enquete-Kommission des Hohen Kommissars für Menschenrechte, nicht die gleichen Reaktionen hervorrufen haben.  Sie sagte, am 5. Mai 2013, im schweizerischen Fernsehen: “Unsere Ermittler sind in den benachbarten Ländern gewesen, um die Opfer, Ärzte und Feldkrankenhäuser zu interviewen, und es gibt den starken, konkreten Verdacht, aber noch keinen unbestreitbarer Beweis, von der Verwendung des Sarin-Gases. Dies war in der Verwendung von Seiten der Opposition, den Rebellen, nicht durch die Regierungsbehörde.”

Ihre Bemerkungen bestätigten lediglich die Behauptungen der Freien Syrischen Armee selbst, die am 5. Dezember 2012 drohte, chemische Waffen zu erwerben und sie als schmerzhafte Experimente gegen die Alawiten zu benutzen [3].  Allerdings war keine Reaktion bevorstehend, angesichts der vernichtenden Leugnung ihrer eigenen Kommission, gemacht auf Ersuchen des Hohen Kommissars, Navy Pilai. In Ermangelung einer politischen Anerkennung verpflichten die Worte des ehemaligen Schweizer Staatsanwalts nur ihn selbst.

Einmal angenommen, dass dieses Sarin Gas von der regulären Armee verwendet wurde, hat das Weiße Haus sich nun einen Rechtsgrund verschafft, was es illegal seit dem Beginn des Konflikts getan hat: Lieferung von Waffen an die “Contras” [4]. In diese Lücke stürzend hat General Salim Idriss, der Kommandeur der Freien Syrischen Armee, Anti-Panzer-Raketen und Boden-Luft-Raketen bestellt. Sie können hilfreich sein, aber nicht entscheidend, denn was seine ‚Armee‘ braucht, sind vielmehr Männer als Hardware. Der Krieg ist zu Ende: US-Lieferungen sollten auf  Kleinwaffen und Munition beschränkt werden. Washington hofft nicht mehr, Syrien zu erobern, sondern nur mehr daß die FSA  die Al-Nusra Front liquidiert.

Jene, die an Washingtons Versprechen glaubten, werden den Preis bezahlen. Die Türkei wird von einem politischen Aufstand gegen die Muslimbruderschaft gelähmt, verkörpert von Recep Tayyip Erdoğan, während Washington den Emir Hamad Al Thani von Katar gezwungen hat, den Thron an seinen Sohn Tamim zu übergeben. Der Moment der neuen Aufteilung des Nahen Osten, zwischen Russen und Amerikaner steht kurz bevor.

Thierry Meyssan

Übersetzung
Roger Lagassé

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[1] "Obama should remember Rwanda as he weighs action in Syria," by Anne-Marie Slaugter, The Washington Post, April 26, 2013.

[2] See the official OPWC site.

[3] "FSA showcases its chemical weapons lab", Voltaire Network, 5 December 2012.

[4] "Exclusive: Obama Authorizes Secret U.S. Support for Syrian rebels" by Mark Hosenball, Reuters, 1 August 2012

7 Kommentare

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