Das steinerne Rätsel von Bali

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von Thomas Ritter

Gunung Kawi

Gunung Kawi wird auch der Berg der Poesie genannt. Man erreicht die megalithischen Bauten über das kleine Holzschnitzerdorf Tampaksiring. Der Besuch dieses Felsheiligtums gilt als absolutes Muss einer Reise durch Bali. Nach einem nicht immer einfachen Abstieg über 300 Treppen hinab in die Schlucht, vorbei an Reisterrassen, erreicht man ein grünes Tal, an dessen Abhänge sich steinerne Monumente aus ferner Vergangenheit schmiegen.

Erst im Jahr 1920 wurde die Anlage wiederentdeckt. Sie stellt eine der eindrucksvollsten Kultstätten der Insel dar. Am Fuß der Schlucht befinden sich insgesamt neun Monumente, die aus dem harten vulkanischen Stein gearbeitet wurden. Vier dieser Monumente sind bekannt als die „Gräber der Königinnen“. Der gesamte Komplex wird durch den Pakerisan-Fluss geteilt. Die größere Gruppe von Felsenbauten steht auf der jenseitigen Flussseite.

Sie befinden sich neben einer ebenfalls aus dem massiven Stein gearbeiteten Anlage, welche von Historikern als „Mönchsklause aus dem 9. Jahrhundert“ definiert wird. Einst sollen hier buddhistische Mönche gelebt haben, was angesichts der starken Feuchtigkeit durch stetig herabrinnendes Wasser zweifelhaft erscheint.

Gunung Kawi, jedenfalls so, wie es sich jetzt darbietet, ist alles andere als gastlich. Dafür liegt die Anlage aber perfekt vor neugierigen Blicken verborgen am Grunde der Pakerisan-Schlucht.

“Grabmale”

Die sogenannten „Grabmale“ sollen aus dem 11. Jahrhundert stammen. Allerdings gibt auch die offizielle Archäologie zu, dass hier niemals Bestattungen vorgenommen worden sind. Eine aktuelle Interpretation bezeichnet daher Gunung Kawi lediglich als „Gedenkstätte für die Königsfamilie Udayana aus dem 10. Jahrhundert“. Datierungen und Interpretationen variieren also erheblich. Dies liegt daran, dass die Anlage zwar im 11. Jahrhundert zum ersten Mal in Inschriften erwähnt wird, das Datum ihrer Erbauung aber unbekannt ist.

In einer auf dem balinesischen Wuku Kalender basierenden Inschrift von Teng-kulak A on 945 saka, welche König Marakata zugeschrieben wird, ist der Komplex als „Katyangan Amarawati“ verzeichnet. Der Fluss trug zu jener Zeit den Namen Jalu.

Da sämtliche Monumente aus dem harten vulkanischen Fels gearbeitet sind, ist eine Datierung äußerst schwierig, zumal auch die Form der Anlage und ihr Zustand Rätsel aufgeben. Einige Teile der aus dem Felsen gearbeiteten Bauwerke sind ersichtlich unfertig, andere zerstört. Ob diese Zerstörungen natürlichen Ursachen wie Erdbeben zuzuschreiben sind oder infolge kriegerischer Einwirkung entstanden, lässt sich nicht eindeutig sagen.

Die sogenannten „Grabmäler“ werden von den Balinesen als „Candi“ bezeichnet. Sie sollen den Begräbnistürmen balinesischer Bestattungszeremonien gleichen, und an die Personen königlichen Geblüts erinnern, derer hier gedacht werden soll.

Wohnsitz der Gottheiten

Solche Monumente sind vor allem aus Zentral- und Ost-Java bekannt. Während sie sich dort aufgrund von Inschriften eindeutig zuordnen lassen, fehlen diese in Bali. Nun ja, nicht ganz. An einigen Candis gibt es verwaschene Symbole, welche entfernt an Schriftzeichen erinnern. Allerdings ist diese Schrift heute in Bali unbekannt. Sie gemahnt an das ebenfalls noch nicht entschlüsselte Rongo Rongo der Osterinsel.

An den Monumenten finden sich auch bei näherer Betrachtung keine Anhaltspunkte wie etwa Meißelspuren, welche auf eine konventionelle Bearbeitung schließen ließen. Bei der Errichtung dieser Bauwerke fand eine sehr komplizierte und arbeitsintensive Methode ihre Anwendung, nämlich das Herausarbeiten des gesamten Monumentes aus einem Felsen. Als Gedenkstätte oder Grabmal wirkt die gesamte Anlage merkwürdig schmucklos, ganz im Gegensatz zu den hinduistischen Tempeln Balis mit all ihren Götterstatuen und Himmelsschlangen.

Gunung Kawi ist anonym, und wenn man die Verwitterungsspuren an den Candis betrachtet, auch sehr alt. Ganz sicher bei weitem älter als eintausend Jahre. Möglicherweise wurde die Anlage von javanischen Königen aus dem 11. Jahrhundert, die auch über Bali herrschten, nachgenutzt. Doch was war ihr ursprünglicher Zweck?

Die hinduistischen Tempel gelten von alters her als irdischer Wohnsitz der Gottheiten. Daher werden sie nach einheitlichen Regeln einer komplizierten sakralen Architektur erbaut, um die Götter zu bewegen, sich darin niederzulassen. War Gunung Kawi womöglich eine Anlage, die mit den „Göttern“ in Verbindung stand? Manches spricht dafür. Die sogenannten „Candis“ erinnern nicht nur an balinesische Begräbnistürme, sondern vielmehr an einen bestimmten Typ von „Vimana“, wie er in der altindischen Literatur beschrieben wird, nämlich an eine Pushpak Vimana.

Geräte und Maschinen

Sowohl in Indien als auch in Bali haben unzählige steinerne Tafeln, beschriftete Kupferplatten und Palmblattmanuskripte, die noch heute in den Archiven der Tempel an den heiligen Orten unzugänglich für Nichteingeweihte gelagert sind, den Vimana-Veda, die „Wissenschaft der planetarischen und interplanetarischen Flugobjekte“, zum Inhalt. Doch erst wenige dieser wertvollen Manuskripte konnten bislang auch von der offiziellen Wissenschaft „wiederentdeckt“ und teilweise übersetzt werden – so etwa das Samaranganasutradhara oder das Vymaa-nika-Shaastra – ein mehrere tausend Jahre alter Sanskrit-Text, der aus der Feder des Maharshi Bharadwaaja – eines Rishis – stammen soll.

In zahlreichen Kapiteln behandelt dieser Text so aktuelle Themen wie die Ausbildung der Piloten auf verschiedenen Typen von Vimanas und die Darstellung der vorzeitlichen Luftwege. Von der Ausrüstung und Verpflegung der Passagiere war dort ebenso die Rede wie von der Bedienung der einzelnen Geräte und Maschinen an Bord einer solchen Vimana. Auch militärische Aspekte finden ihre Berücksichtigung in den alten Sanskrit-Texten.

Nach der Beschreibung des Vymaanika-Shaastra verfügten die Vimanas über Instrumente, mit denen feindliche Manöver rechtzeitig erkannt werden konnten, um diese wirkungsvoll zu verhindern. Außerdem waren die antiken Flugscheiben mit recht modernen Kommunikationsgeräten ausgerüstet, mit denen „die Verständigung zwischen diesen Fluggeräten über weite Strecken im Raume hinweg möglich“ gewesen sein soll. Auch recht genaue Angaben über die Größe der Flugapparate, die nach Stockwerken gemessen wurde, und über die mächtigen Waffensysteme der Vimanas sind in den Sanskrit-Texten verzeichnet.

Die Vorstellung, dass unsere Erde von Wesen aus dem All besucht wurde, deren Heimat fremde Planeten in anderen Sonnensystemen, manchmal sogar andere Galaxien sind, ist den gläubigen Hindus seit Jahrtausenden geläufig. Die Wissenschaftler in Indien und Indonesien beziehen heute diese Erkenntnisse in ihre Forschungen mit ein. Es ist dort schon lange nicht mehr die Frage, ob solche Vimanas tatsächlich existiert haben. Natürlich existierten sie.

Vielmehr gilt es den Forschern dort nun zu differenzieren, welche Vimanas von wem gebaut und benutzt worden sind und was aus den Beschreibungen in den alten Manuskripten für heutige Entwicklungen verwendet werden kann. Im Vimana-Veda werden die verschiedensten Flugschiffe beschrieben. Manche dieser Maschinen stammten mit Sicherheit nicht von der Erde. In den Texten ist die Rede von Rakshasas, den Wesen der Finsternis und Gewalt, die mit ihren Vimanas aus den Tiefen des Alls kamen.

Rishi Agasthya

Doch andere fliegende Maschinen wurden von irdischen Konstrukteuren erschaffen – den Rishis. Sie waren keine Menschen, aber auch keine Götter. Wir können sagen, dass die Rishis eine eigene Art, eine ganz besondere Rasse von Wesen bildeten, die schon lange auf dieser Welt weilten, bevor die Menschen anfingen, nach dem Sinn ihrer Existenz auf der Erde zu suchen. Nach menschlichen Maßstäben waren sie seit Anbeginn der Zeit hier und durchschritten die verschiedenen Yugas, die Weltzeitalter, an der Seite der Götter und Menschen.

Sie waren die Mittler zwischen der Welt des Göttlichen und der Welt der Menschen, die Hüter einer universellen Weisheit und ihrer allumfassenden Gesetzmäßigkeiten. Möglicherweise waren sie die letzten Überlebenden einer vorzeitlichen irdischen Hochkultur, welche in der Literatur als Mu – das Mutterland – bezeichnet wird. Einer dieser Rishis, Agasthya mit Namen, hat seine Spuren auch auf Bali hinterlassen.

Ihm ist heute sogar ein Tempel geweiht – der Pura Luhur Batukaru. Er liegt mitten im Dschungel an einer heiligen Quelle. Diese soll Agasthya selbst einstmals mit Hilfe eines magischen Stabes aus dem Boden geschlagen haben.In Bali mögen sich die Wissenschaftler ja noch darüber streiten, ob Prinz Ram nur eine Ausgeburt der Fantasie des Dichters Valmiki oder wirklich eine historische Persönlichkeit war. In Sri Lanka hingegen ist man sich dagegen sicher, dass die Legenden des auch im balinesischen Kulturkreis sehr populären Ramayana historischen Tatsachen entsprechen.

Ein technischer Verwendungszweck? 

Singhalesische Forscher haben im Auftrag des Tourismusministeriums fünf „Flughäfen“ entdeckt, auf denen der Dämonenkönig Ravana seine Flotte von Pushpak Vimanas stationierte, jener mythologischen Flugmaschinen, deren er sich bediente, um Prinz Rams Gattin Sita zu entführen. Die Abbildungen der Pushpak Vimanas in den alten singhalesischen Texten gleichen den sogenannten „Grabmälern“ von Gunung Kawi auf Bali bis ins Detail.

Der Dichter Valmiki schildert im Ramayana die Taten des indischen Königssohnes Ram, dessen Gattin Sita von dem auf Sri Lanka ansässigen „Dämonenkönig“ Ravana entführt wird. Dieser beherrschte die Kunst des Fliegens, denn er raubte Sita in einem „Wagen der Lüfte, welcher der Sonne glich“.

Aber auch Ram verfügte über einen „Wagen der Lüfte“, mit dem er unverzüglich die Verfolgung aufnahm. Ravana wollte Sita nach Sri Lanka bringen, wurde aber von Ram zum Luftkampf gestellt. Entweder war Ram der erfahrenere Pilot oder er verfügte einfach über die bessere Vimana. Es gelang ihm jedenfalls, Ravanas Flugapparat mit einem „Himmelspfeil“ abzuschießen, der daraufhin „in die Tiefe“ stürzte. Jedoch gelang es Rams Gattin Sita sich zu retten, indem sie aus der abgeschossenen Vimana in das unversehrte Luftfahrzeug ihres Mannes „umstieg“.

Eine Rettung per Fallschirm? Darüber schweigen die historischen Quellen. Aber nicht nur Ram, sondern auch seine Verbündeten – allen voran der „König der Affen“ (wurde er seines ungewöhnlichen, nichtmenschlichen Aussehens wegen so genannt?) und sein Minister Hanuman – verfügten über sehr modern anmutende Flugmaschinen.

Wenn diese Maschinen starteten, so „beben die Grundfesten der Berge, Felsspitzen brechen weg, Riesenbäume werden entästet gebrochen, ein Regenschauer von Holz und Blättern geht zu Boden“. Beginnt die Maschine ihren Flug in bewohnten Gegenden so „werden die schönen Lotusteiche von (Sri) Lanka ausgeschwemmt, Hochbauten und Türme stürzen ein und die Lustgärten werden verwüstet“.

Das Ramayana ist, wie bereits erwähnt, auch in Bali sehr populär, und lebt in Tänzen und Puppenspielen weiter. Auch auf der tropischen Insel gibt es Orte, die in Legenden und Überlieferungen unmittelbar mit dem Ramayana in Verbindung gebracht werden. Gunung Kawi gehört dazu. Vielleicht befand sich in dem versteckten Tal einst ein Stützpunkt für Vimanas, die von hier aus zu ihren Missionen starteten. Die Darstellungen dort und der gesamte Charakter der Anlage sprechen eher für einen technischen Verwendungszweck, denn für eine Begräbnis- oder Gedenkstätte.

imageThomas Ritter wurde am 30. Juni 1968 in Freital geboren. Er studierte Rechtswissenschaften, Mittelalterliche Geschichte sowie Neuere Geschichte. Er unternahm mehrere Studienreisen nach Indien, Sri Lanka, China, Spanien, Frankreich, Andorra und Malta. Er veröffentlichte zahlreiche Bücher wie z.B„Verschollen und Vergessen“, „Die Palmblattbibliotheken“, „Rennes-le-Château“ u.v.m. und ist als Autor für mehrere Fachmagazine tätig.

http://www.thomas-ritter-reisen.de/

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Quellennachweis:

http://www.mystikum.at/wp-content/themes/Mystikum-Magazin/ausgaben/Mystikum_Oktober_2014.pdf

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@Steven Black

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