Fliegende Vehikel in alten Kirchen

vehikel

  von Reinhard Habeck:

Stark umkämpfte Landstriche

Wer abseits touristischer Hauptrouten unbekannte Kostbarkeiten entdecken möchte, wird im Burgenland fündig. Das östlichste Bundesland Österreichs hat eine bewegte Geschichte. Schon in der Jungsteinzeit war das Gebiet dicht bewohnt. Die Kelten haben hier um 450 n. Chr. gesiedelt, danach wurde das Land als Provinz Pannonien dem römischen Reich einverleibt. Mit der Völkerwanderung hatten um 400 n. Chr. die Hunnen das Sagen und die Verbindung zum römischen Reich endete. Unsere Aufmerksamkeit gilt der sakralen Schatzkiste Pannoniens.

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Wenn wir sie öffnen, stoßen wir im Südburgenland auf eine verschlafene Ortschaft namens Siget in der Wart. Das 240-Seelen-Dorf mit seinen kleinen gelb und weiß gestrichenen Häusern und einladenden Vorgärten, wirkt idyllisch. Auf den roten Dächern haben Störche ihre Nester erbaut und klappern den seltenen, neugierigen Besuchern entgegen. Doch so friedlich war es hier nicht immer. Im frühen Mittelalter drangen asiatische Steppennomaden bis in die Tiefebene an der Theiß vor und ergriffen Besitz von der mittleren Donau; unter dem Geschlecht der Arpaden wurden die Ungarn schließlich sesshaft und zum christlichen Glauben bekehrt.

Aber der Mongolensturm 1241 brachte erneut Krieg, Tod und Zerstörung über diesen Landstrich. Siget war zu jener Zeit eine magyarische Grenzwächter-Siedlung, und die wenigen Menschen die hier lebten, waren vor Überfällen nicht sicher.

Siget in der Wart

Die erste urkundliche Erwähnung „Zygeths“ stammt aus dem Jahr 1352 und steht für den ungarischen Begriff „Insel“. Heute ist der Ort tatsächlich eine Insel. Kein Eiland der Seeligen, aber eine Sprachinsel. Siget ist der einzige Platz in Österreich, in dem ein protestantischer Gottesdienst vorwiegend in Ungarisch gehalten wird. Die kleine Pfarrkirche, die auf diese Weise bis heute die Wurzeln des Ortes widerspiegelt, stammt aus dem 18. Jahrhundert.

Doch das echte Kunstjuwel steht wenige Meter entfernt, eine Straßenseite gegenüber: die kleine Ladislauskirche aus der Mitte des 17. Jahrhunderts. Als ich in der Ortschaft eintreffe und das Kirchlein besichtigen will, stehe ich vor verschlossener Tür. Der Schlüssel soll im einzigen Gasthaus des Ortes verwahrt sein. Doch der Hausherr ist „ausgeflogen“. Ich mache mich bei Bauernhöfen bemerkbar und lande beim Dorfschullehrer, der sich dazu bereit erklärt, einen Ersatzschlüssel für mich aufzutreiben. In diesem Moment besucht zufällig der Sohn des Gastwirtes das Elternhaus, und ich habe plötzlich zwei gleiche Schlüssel in den Händen. Einmal die Klinke herumgedreht und das „Sesam-öffne-dich!“ gelingt.

Elias’ Himmelwagen in Pannonien Siget Fresko Elias

Ich stehe in einem länglichen Raum mit schiefem Mauerwerk und bin überwältigt: keine Sakristei, keine goldenen Altäre, keine Marmorsäulen. Auch keine Gnadenbilder, Madonnen mit Jesuskind oder prunkvolle Heiligenstatuen. Stattdessen buntes Wanddekor mit Gestirnen im abstrakten Stil. Es könnten Meisterwerke von Picasso oder Hundertwasser sein, nur mit einem Unterschied: Die Unikate entstanden bereits 350 Jahre früher!

Nur ein einziges frühchristliches Symbol in der Apsis ist figürlich hingepinselt: Elias im Himmelswagen. Wer war dieser Götterbote? Ein bedeutender jüdischer Prophet aus dem Ostjordanland, der im 9. vorchristlichen Jahrhundert lebte, erzählt die Bibel. Elias’ Himmelfahrt findet im Beisein eines Zeugen statt. Elisäus ist zugegen, als der „feurige Wagen des Herrn mit feurigen Pferden“ die beiden trennt und Elias entführt. Der Prophet „fuhr im Wirbelsturm zum Himmel empor“, so beschreibt es das 2. Buch der Könige (Kapitel 2). Was war passiert? Bekam Elias die Macht Gottes zu spüren? Oder gab es einen antiken UFO-Alarm?

Ob man an Besucher aus dem Kosmos glaubt oder nicht: Die Fresken in der Ladislauskirche von Sigart an der Wart sind ein kunsthistorisches Wunder. Heimatkenner Karl Lukan bringt die Faszination auf den Punkt: „Alles ist an diesen Fresken wundersam, ist von einem geheimnisvollen Zauber umgeben. Und mehr als alle barocken Apotheosen und Hallelujagemälde lassen die Bilder in der stillen kleinen Kirche etwas von dem Unbegreiflichen ahnen, welches das All umgibt, und von einer höheren Macht, die über dem Ganzen steht…“

Ezechiels Raumschiff im Burgenland

Aber auch das nur 12 Kilometer von Siget entfernte Dorf Goberling, nahe der berühmten Templerburg Lockenhaus, ist ein Geheimtipp. Goberling hat kunsthistorisch Interessantes zu bieten: eine mittelalterliche Kleinkirche mit einem seltsam anmutenden Fresko. Gimageemeint ist die ehemalige katholische Filialkirche „Heilige Elisabeth“, die erst im Jahre 1957 an die evangelische Gemeinde verkauft wurde. Der schlichte Bau steht hoch über dem Ort, umgeben vom Friedhof und wird ins 13. Jahrhundert datiert.

Als ich die steile Stufen zum Portal erklimme, stehe ich vor wiederum vor verschlossenem Tor. Doch auch hier erhalte ich beim nächsten Gasthof einen Schlüssel. Beim Betreten des Kirchleins fallen sofort eigenwillige Malereien über der halbrunden Altar-Nische auf.

Im unteren Bereich, getrennt durch ein Rundbogenfenster, sind Fragmente von sechs stehenden Personen zu erkennen. Darüber ist eine schwebende Gestalt dargestellt, die ein Schriftstück ausbreitet. Links davon, verewigt in der Mitte der Apsis, beeindruckt ein großes ovales Objekt, das am Rand von vier Halbkreisen berührt wird.

Innerhalb dieser Strukturen sind Wesen zu sehen, drei davon ohne Gesichtszüge. Der erste Eindruck: ein Ding aus einer anderen Welt. Ein Raumschiff? Jedenfalls muss die gezeigte Szene im Kosmos spielen, denn das Gebilde ist von einem Sternenmeer umgeben. Mond und Zentralgestirn sind ebenfalls abgebildet, wobei die Sonne mit Gesicht und fünf geschwungenen Beinchen auch die Schwester von E.T. sein könnte. Entdeckt wurden die außergewöhnlichen Fresken erst bei der Restaurierung im Jahre 1959.

Schriften und Propheten

Die traditionelle Deutung zerstört meinen fantastischen Gedanken: In Wirklichkeit ist nicht ein UFO, sondern Christus in der Mandorla zu sehen. Die sakrale Kunst versteht darunter die Bezeichnung einer kreis- oder ellipsenförmigen Aura, die den ganzen Körper einer heiligen Person umspannt. Und was bedeuten die vier anderen Halbkreise und Figuren, die um Christus herum angeordnet sind?

Es sind die Autoren der vier biblischen Evangelien über das Leben Jesu. Sie sind mit ihren Symbolen abgebildet: Matthäus als Engel in Menschengestalt, Markus als Löwe, Lukas als Stier und Johannes als Adler. Und wer hat die Symbole in die Welt gesetzt? Sie gehen auf eine Textstelle im 4. Kapitel der Offenbarung des Johannes zurück, nehmen aber Bezug auf den jüdischen Propheten Ezechiel im Alten Testament, der um 600 v. Cimagehr. gelebt haben soll. In der Heiligen Schrift wird ausführlich über seine Begegnungen mit einem göttlichen Fluggerät und seiner himmlischen Besatzung berichtet, wie alle Leser von Erich von Däniken und Josef F. Blumrich wissen.

Es ist wert, das Buch des Propheten Ezechiel in der Bibel zu studieren, und seine eigenen Schlüsse daraus zu ziehen. Schon die erste Begegnung mit dem „Gefährt Gottes“ hinterließ beim Ohren- und Augen zeugen Ezechiel einen tiefen Eindruck.

Das Ezechiel-UFO

Das ist jene Stelle in der Bibel, die eine Verbindung zu den vier Evangelisten herstellt. Aber was hat der Prophet Ezechiel tatsächlich gesehen? Den Schöpfer des Universums? Kaum zu glauben. Der Bibeltext nennt viele Teilstücke des Vehikels, die mehr an missverstandene Technik als an Wunder denken lassen: an Rotoren eines Hubschraubers, an hypermoderne Radkonstruktionen oder an Düsentriebwerke.

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Als ich Literatur für mein Buch über das geheimnisvolle Österreich sammelte, fiel mir wieder der alte Titel J. F. Blumrichs „Da tat sich der Himmel auf“ in die Hände. Ich blätterte darin und wurde auf Seite 251 stutzig. Da zeigt der NASA-Experte die geometrische Anordnung von vier Hubschraubern beim „Ezechiel-UFO“ auf, die sich für ihn aus der Bibel-Analyse ergeben hatten.

Zu sehen ist der Grundriss des mutmaßlichen Raumschiffes: Er besteht aus dem zentralen Hauptkörper, gezeichnet als großer Kreis; der Besatzungskapsel, dargestellt als kleiner Kreis im Hauptkörper; und vier Hubschraubern, die den Hauptkörper an den Seiten tragen. Im Schema sind es vier kleinere Kreise, die den großen überschneiden.

Alles Zufall?

Der geometrische Grundriss von Blumrichs Raumschiff-Rekonstruktion entspricht recht genau der Evangelisten-Darstellung mit Mandorla in der Kirche von Goberling! Reiner Zufall? Oder womöglich doch die groteske Erinnerung an ein biblisches UFO? Was hätte wohl Josef F. Blumrich zu dem Fresko gesagt? Leider konnte ich den gebürtigen Oberösterreicher dazu nicht mehr befragen. Blumrich, der das Forschungslabor Skylab und die Mondrakete Saturn V mit entwickelt hatte, verstarb 89-jährig im Februar 2002 in den USA.

 

 

Andere Themen des Mystikum Magazins für März 2015:

Exkursion in die Eiszeit

Die Oberfläche der Feldberger Landschaft wurde entscheidend in den letzten 25 000 Jahren während der Weichsel-Vereisung und der bis heute andauernden Warmzeit geformt.

Der Cargo Kult

Was heißt Cargo Kult? Es beschreibt eine Situation, in der Angehörige einer minder entwickelten Kultur, Nation oder eines Stammes zu einem bestimmten historischen Zeitpunkt mit einer höher entwickelten Zivilisation (vor allem in technischer Hinsicht) in Berührung kommen.

Und anderes mehr ..

Quelle dieses Beitrages und Download Link:

http://www.mystikum.at/wp-content/themes/Mystikum-Magazin/ausgaben/Mystikum_Maerz_2015.pdf

@Steven Black

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3 Kommentare

  • Senatssekretär FREISTAAT DANZIG

    Hat dies auf Aussiedlerbetreuung und Behinderten – Fragen rebloggt und kommentierte:
    Glück, Auf, meine Heimat!

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  • Hat dies auf Heilige Geometrie und Orte der Kraft rebloggt und kommentierte:
    Spannender Arikel – allerdings ist diese Hesekiel- bzw. Ezechiel-Thematik ja nichts Neues. Ich glaube mich zu erinnern, dass schon die Prähistoriker-Legende Erich von Däniken ausführlich darauf einging… und meines Erachtens sind die im folgenden Artikel gezeigten Darstellungen auf burgenländischen Kirchenwänden darauf zurückzuführen, dass man sich schlicht und einfach in einer Darstellung des alttestamentrischen Geschehens versuchte und dabei der künstlerischen Fantasie bediente. Dennoch bleibt die Frage: Was hatte es mit diesen gleißenden, rotierenden, donnernden Himmelsgefährten an sich? Heute gibt’s auch „Himmelserscheinungen“ wie Flugzeuge, Helikopter, Raketen.., doch die, die ihnen entsteigen, sind keine Götter – wenn auch manchmal Retter und Helfer (Ärzte, Rettungsteams). Es stellt sich auch die Frage, was die Priesterschaft zu den Darstellungen bewegte – wem sollten sie ergötzen, wem diente die Information? Jahrhundertelang war es dem Kirchenvolk verboten, die Bibel zu lesen. Die einfach Leute waren überdies bis in die theresianische Zeit Analphabeten. Hätten sie etwas damit anfangen können? Es ist und bleibt rätselhaft…

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