Einfach mal floaten ..

floaten

geschrieben von Steven Black:

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Kürzlich habe ich ein neuartige Erfahrung gemacht. Kennt ihr Salzwasser Tanks? Bestimmt hat der/die eine oder andere LeserIn bereits davon gehört, gelesen, oder es vielleicht selbst schon ausprobiert. Man nennt es auch Floating, Schwebebaden, oder Samadhi Tank Erfahrung.

Dabei liegt man in einer Spezialform von Badewanne, die, wie eine Art überdimensionierte Muschel geformt und von Lichteinfluss  und Geräuschen abgeschirmt ist. In der “Muschel” ist etwa 30 cm tiefes, auf Körperwärme temperiertes Wasser, das mit Magnesiumsulfat, auch Bittersalz genannt, (zumindest da wo ich gewesen bin) gesättigt ist. Dadurch ist das Wasser so schwer, daß man absolut entspannt an der Oberfläche treiben kann.

Entstanden ist diese Idee vor etwa 60 Jahren. Der bekannte und amerikanische Neurologe, Gehirn – und Delphinforscher John C. Lilly beschäftigte sich mit der Frage, was in unserem Gehirn ”passiert, wenn nichts passiert” – wenn alle ablenkenden Umweltreize so gut als irgendwie möglich ausgeschaltet sind.

„Nachdem sich Lilly von Forschungsmethoden, die Daten mittels eingepflanzten Elektroden von Versuchstieren ermittelten distanzierte, konzentrierte er sich auf einen speziellen Bereich innerhalb der Gehirnforschung: die sensorische Deprivation oder auch Sinnesreizreduktion. Dr. Lilly erforschte am National Institute for Mental Health (NIMH) zunächst alle Aspekte der Sensorik in experimentellen Versuchsreihen: Lichteinwirkungen auf das Auge, Klangeinwirkungen auf das Ohr, Berührung, Druck und Temperatureinwirkung auf die Haut.

Bevor er mit dem ersten Floating-Tank arbeitete versuchte er eine versuchsrelevante Umgebung zu schaffen, indem er einfach eine dunkle und schallisolierte Kammer nutzte.

Es gelang dadurch zwar visuelle und auditive Signale auszuschalten, die Wirkung der Schwerkraft, Druckpunkte durch die Unterlage und Temperaturempfindungen gaben jedoch noch immer so viele Impulse an das Nervensystem ab, dass Lilly über neue Versuchsanordnungen nachdenken musste. Er konstruierte zunächst einen Behälter mit Wasser, in dem die Versuchsperson mit Hilfe einer Atemmaske und einer Haltevorrichtung gegen das Absinken schwimmen konnte.

So wurde zumindest eine reduzierte Wahrnehmung der Temperatur und eine dauerhafte Entspannung der meisten Muskeln geschaffen, eine komplette Reizreduktion wurde jedoch noch immer nicht erreicht.“

Lilly selbst nutzte die Vorrichtung oft und während einem der Selbstversuche kam ihm die entscheidende Idee: das horizontale Schweben in einer Salzlösung würde sowohl eine Tiefenentspannung aller Muskelgruppen als auch eine radikale Reduktion aller externen Stimuli ermöglichen.

Nachdem sein Arbeitgeber, die US-Regierung, sich im Verlauf des Koreakrieges verstärkt für eine Nutzung des Isolationstanks für manipulative Zwecke interessierte („Gehirnwäsche“, „Reprogrammierung“ von Versuchspersonen, Unterstützung von Befragungen durch Isolationsfolter), entschied sich Lilly das NIMH zu verlassen und sich verstärkt der Erforschung von Delfinen und Walen zu widmen.

imageEr war ein prominenter Fürsprecher einer menschlichen Kultur ohne Waffen, Kriege, Tierversuche und Umweltzerstörung. So kann man es in diversen Nachrufen lesen. Okay, nachdem nun die historisch relevanten und Entwicklungsgeschichtlichen Hintergründe bekannt sind, wollen wir uns nun anschauen, wozu das ganze überhaupt gut sein soll. Anschließend möchte ich meine persönliche Erfahrung im Samadhi Tank schildern.

Manche Leute gehen da einfach nur zur Entspannung rein. In einer Atmosphäre von Wärme, keinem Gefühl von Schwerkraft, kein Licht und totaler Stille, werden die Bedingungen für eine so tiefe Entspannung geschaffen, wie man dies eigentlich nur von Meditation, oder Schlaf kennt – in dieser Atmosphäre kann man richtig “loslassen” und sie wirkt Stressbefreiend. Jemand wie ich, der geht da schon aus einigen anderen Gründen hin und natürlich auch aus Neugier. Man kann da einige Regionen seiner inneren Räume erforschen, seine Körperempfindungen verfeinern, tiefer in Kontakt mit diversen Gefühlen und Emotionen kommen, oder in tiefere Stadien von Meditation kommen. All diese Felder haben es mir mehr angetan, als nur die reine Entspannung, aber die bekommt man dann eh, sozusagen “im Pfusch” mit.

Na gut, nachdem ich mir einen Termin besorgt hatte, bin ich also zu diesem Ort, genannt “Museum der Wahrnehmung” gegangen – grade einmal 10 Minuten von mir weg. In diesem Haus läuft eigentlich eine ständige Ausstellung von Objekten und Installationen, die von Künstlern, Designern, Wahrnehmungspsychologen und Technikern konzipiert und realisiert wurden. Ihnen allen gemeinsam ist ihre erstaunliche Wirkung auf unseren Wahrnehmungsapparat. Dort werden auch Workshops und Seminare dazu angeboten. 

“Die zentrale Aufmerksamkeit gilt dabei den kybernetischen Prozessen diesseits der Schnittstellen zwischen außen und innen, zwischen kybernetischen Maschinen und den sie nutzenden BeobachterInnen. Die Objekte und Installationen illustrieren eine gleichermaßen beunruhigende wie faszinierende These: dass unsere sinnliche Wahrnehmung uns kein Abbild der Realität vermittelt, sondern lediglich ein mit Hilfe sprachlicher Beschreibung konstruiertes Modell der Wirklichkeit. Die Installationen des Museums der Wahrnehmung sowie die Übungsbeispiele setzen dabei auf die Irritation, die Störung, die Paradoxien und Mehrdeutigkeit, die zwischen unserer Wahrnehmung und unserem Denken offenbar werden.”

Ich wurde von einer freundlichen Frau empfangen, die mir zuerst eine Einführung über diverse Verhaltensmöglichkeiten, Ablauf und theoretische Grundlagen gab. Danach führte sie mich in den Keller und zeigte mir den Raum, wo das Teil installiert war. Ein freundlich und gepflegt wirkender Raum, in helles Grün getaucht, inklusive mit WC und Duschmöglichkeit. Nicht einmal Handtücher muss man mitnehmen. Auch Fön und Duschgel wurde zur Verfügung gestellt. Mitten im Raum stand die überdimensionierte “Muschel” ..

Nachdem ich mich also nackig gemacht habe, bin ich rein in die Muschel. Hand hoch und den großen Deckel zugezogen. Besser man geht da langsam und bedächtig rein, aufgrund des Salzgehalts kann das ziemlich rutschig werden. Ein ganz sanftes Licht schien drinnen, was man manuell ausknipsen kann und bei Ende der Tankerfahrung (etwa einer Stunde, oder etwas mehr) von alleine wieder angeht. Ahhh, sehr warm und angenehm das Wasser. Und zack, Licht ausgeschaltet und mal in die Dunkelheit gestarrt. Es dauert einige Zeit, bis man sich an den Schwebezustand und die Dunkelheit gewöhnt hat. Wirklich, sehr ungewöhnlich ..

Schön, also erst mal Augen zu, entspannen. Augen auf – okay, es war schwarz, total Zappenduster. Mit der Zeit wirkt diese Schwärze eindringlich, sie senkt sich richtig auf einen runter und spült sich irgendwie direkt ins Bewusstsein.  

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Während man gleich zu Anfang den Eindruck hat, man wäre in diesem Salzwasser total entspannt, merkt man von Zeit zu Zeit immer mehr, daß das nicht ganz richtig ist. Man entspannt nämlich immer tiefer, da merkt man überhaupt erst, wie sehr wir körperliche Anspannung als Normalzustand gewöhnt sind. Ich habe nun wirklich einige Meditationsrunden inzwischen gedreht, aber eine so tiefe Entspannung kannte ich bisher nicht. “Loslassen” bekommt da eine völlig neue Bedeutung.

Zuerst hab ich meinen Körper und diverse Empfindungen systematisch “abzutasten” begonnen. Ich hab mich in Nacken, Schulter, Rücken, Arme und Beine und deren Muskeln reingefühlt, meine Gelenke und Organe “gescannt”. Es ist wirklich ganz erstaunlich, was man da plötzlich so alles an Empfindungen fühlen kann. Man stelle sich vor, alles was man da wahrnimmt ist ständig vorhanden, nur bemerken wir es meist vor lauter Anspannung nicht. Langsam tritt das Körperbewusstsein in den Hintergrund und man kann in tiefere Schichten des Bewusstseins eintauchen.  

Es soll Leute geben, die ohne es bewusst zu wollen, in solchen Samadhi Tanks frühkindliche Mutterleibserfahrungen erneut durchlebten. Klar, diese Umgebung von Salzwasser und Wärme lädt ohne Frage dazu ein. Mir ist das allerdings nicht passiert, dafür bin ich vermutlich viel zu sehr auf andere Dinge fokussiert gewesen. Also nicht, daß ich da was dagegen gehabt hätte .. ^^

Mein Interesse war eher darauf ausgelegt, tiefere Bewusstseinszustände auszuloten und ob ich sie erreiche. Und ja, fast schon mühelos, im Vergleich mit verschiedenen Meditationen, bin ich in Schichten gekommen, die nicht so ohne weiteres für mich zu erreichen sind. Es gibt da allerdings keine Details zu erzählen, dies ist und bleibt eine persönliche Angelegenheit, wie auch jeder andere, der so etwas vor hat es handhaben würde. Ich meine, was nützt es schon, davon zu lesen was jemand anders dabei wahrnimmt? Jeder nimmt anders wahr, hat andere Themen, die ihn oder sie interessiert und letztlich zählt sowieso nur die eigene Erfahrung damit.

Verblüffend fand ich noch die interessante Synchronizität, des zeitlichen Zusammentreffens vom Ende der Salztank Erfahrung und meiner inneren Arbeit, die genau da zu Ende war, als die Lichter innen sanft zum flackern anfingen, die durch eine Zeituhr geschaltet wurden. Irgendjemand in mir wusste also ganz genau, wie sich das ausging. Ein anderer, toller Effekt ist das tiefgreifende Haut Peeling, was man “nebenbei” durch den Aufenthalt im Samadhi Tank erhält.  

Ja, das war wirklich eine ausgesprochen wertvolle Erfahrung, die ich zweifelsohne bei nächstbester Gelegenheit wiederholen werde. Ich kann das ehrlich nur weiter empfehlen, bin echt begeistert davon. Schaut mal in eurem Ort, ob es da Anbieter dafür gibt. Es wird euch gefallen, da bin ich mir sicher.

Until next time same station ..

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Quellennachweise:

http://www.float.de/dr-john-c-lilly.html

http://muwa.at/workshops.cfm?workshops_wahr=TRUE

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@Steven Black

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15 Kommentare

  • Hej Steven!
    Ich liebe solche Erfahrungsberichte von Dir. Informationen, was man tun kann und was es bewirkt.
    Vielen Dank
    Veron

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  • Hi stefan,

    Ist das bei euch in graz?
    Bin im mai bei euch,
    Wo kann man das den buchen?

    Kannst du mir ein paar infos dazu geben?

    Wuerde mich darueber freuen,

    Danke,
    Maik

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  • Lieber Steven,

    ich möchte mich Veron anschließen! Erfahrungsberichte liebe ich auch und diesen finde ich sehr interessant. Habe mich schon im Internet umgesehen, um die Erfahrung ebenfalls mal zu machen! Anscheinend gibt aus auch die „ohne Deckel Variante“, aber ich glaube, die mit, ist effektiver um ähnliche Erfahrungen zu machen wie Du.

    LG
    HARMONIE🙂

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  • Ich hatte bis vor kurzem von solchen Floating-Tank-Bädern noch nichts gehört, und war eigentlich überrascht, was es so alles gibt. Klingt aber interessant und macht mich neugierig, es selbst mal auszuprobieren.

    Ich meine:
    Zitat Stefan: „Manche Leute gehen da einfach nur zur Entspannung rein.“
    Genau, man muss es ja nicht gleich übertreiben…😛
    Allerdings lasse ich mich auch gerne überraschen…😉
    LG

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    • Lieber Steven !

      Dieses Floaten war sicher eine sehr intensive Erfahrung und ich bewundere jeden Menschen, der sich so hingeben kann.

      Ein wenig – nur ganz entfernt – erinnert es mich an die Menschen, die sich in ägyptischen Grabkammern oder Sarkophagen einschließen lassen und dort ganz auf ihr Inneres zurückgeworfen werden.

      Da zeigt sich das vorhandene Urvertrauen im Menschen und ich muss ehrlich sagen, dass mir diese Dunkelheit und Stille schon erstrebenswert erscheinen, aber immer wieder Gedanken kommen würden, wie „Geht der Deckel auch wieder auf? “ „Könnte es einen technischen Defekt geben und ich bin für immer hier eingeschlossen?“ 😀 So ähnlich geht es mir bei einer MRT in der engen Röhre. Die Phantasie geht einfach mit mir durch…

      Ich finde diese Erfahrung auch so gut, weil man ja eines Tages- früher oder später – ohnehin loslassen muss. Das Floaten ist bestimmt eine gute Übung dafür.

      Liebe Grüße von A n g e l a

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      • Hi Angela,
        Das war ne tolle Erfahrung, ja ..
        Ich hab kein Thema mit engen Räumen. Oftmals ist es so, das Geburtstraumen damit zusammenhängen, wenn Platzangst und ähnliche Emotionen aufsteigen.
        Der Deckel geht immer auf .. ^^

        PS: Falls du dich gewundert hast, wegen der Freischaltung – das ist wegen deiner neuen E-Mailadresse gewesen.🙂

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        • Lieber Steven !

          Zitat: “ Oftmals ist es so, das Geburtstraumen damit zusammenhängen, wenn Platzangst und ähnliche Emotionen aufsteigen“….

          Oh ja, das kann wirklich sein… bin eine 12 Stunden Zangengeburt unter widrigsten Umständen. Ich lag auch noch falschherum, musste erst gedreht werden…
          Das habe ich noch nie damit verbunden… aber es erscheint mir sehr plausibel!

          Liebe Grüße von A n g e l a

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